Nach 30 Jahren Krieg

Der Mihlaer Schullehrer Volcmar Bartholomeus vermeldete bei seinem Amtsantritt im Jahre 1608 151 Häuser, aus denen Kinder in seine Schule gingen; berechnet man die Einwohnerzahl je Bauernhaus mit sechs Personen, rechnet die Schlösser mit ihren Knechten und Mägden und kinderlose Familien hinzu, erscheint diese Zahl als durchaus vorstellbar.

Der Mihlaer Lehrer Volcmar Bartholomeus steht mit seinem Schicksal für die Leiden der Mihlaer im 30jährigen Krieg.

1608 Krieg 1
Titelblatt der vom Mihlaer Lehrer Volcmar Bartholomeus 1642 erneuerten Mihlaer Schulordnung, in der der Lehrer über die Zustände im Ort am Ende des Krieges berichtet, Museum im Rathaus Mihla.

Im Jahre 1581 in Kindelbrück geboren, wurde er nach seiner Ausbildung an der Schule in Willershausen im Hessischen angestellt, ehe er nach dem Tode seines Amtsvorgängers Nikolaus Taschner im Jahre 1608 von der Gemeinde und dem damaligen Pfarrer nach Mihla berufen wurde.

Bemerkenswert ist seine lange Amtszeit: Er wirkte 43 Jahre als einziger Schulmeister im Ort und durchlebte damit alle Schrecknisse seiner Schüler und Eltern. Dies allein muss schon ein schweres Schicksal gewesen sein, denn vor allem in den Pestjahren sah er viele seiner Schüler und oft genug auch deren Eltern sterben.

Der Lehrer war verpflichtet, mit dem Pfarrer die Beerdigung durchzuführen. Dabei muss Bartholomeus so viel menschliches Leid erfahren haben, dass es für uns moderne Menschen sicher kaum vorstellbar ist, wie man damit umgehen konnte.

An manchen Tagen fanden drei und mehr Beisetzungen statt, wie das Totenbuch des Kirchenbuches berichtet. Davon war auch seine eigene Familie betroffen. Bartholomeus‘ erste Frau Maria wurde ein Opfer der Pest, seine zweite Frau verstarb ebenfalls Jahre vor ihm und von den insgesamt 17 Kindern aus beiden Ehen musste er zehn selbst mit zu Grabe tragen!

In den letzten Kriegsjahren, als man feststellte, dass die alten Urkunden verloren gegangen waren, erneuerte Bartholomeus die bereits bei seinem Amtsantritt 1608 vorhandene Mihlaer Schulordnung aus dem Gedächtnis. Sie wurde im Erbzinsbuch der Gemeinde gemeinsam mit anderen Ordnungen und Festlegungen des Gemeindelebens festgehalten, dessen Neufassung im Jahre 1645 auch das Werk des Schulmeisters war.

Am Ende der erneuerten Schulordnung stellte er fest, dass sich die Bedingungen für die Arbeit des Lehrers so verschlechtert hätten, dass er von den durch die Eltern zu leistenden Abgaben nicht mehr leben könne.

Von 151 zahlenden Häusern vor dem Krieg seien nur noch 71 Häuser vorhanden bzw. in der Lage, zu zahlen. Zudem waren weitere dem Schulmeister zustehende Gemeindeleistungen, so zum Beispiel die Holzzuteilung, in Vergessenheit geraten.

Auch die Ablieferung der sogenannten „Gründonnerstagseier‟ unterblieb; sicher weil es kaum noch Hühner gab.

Volcmar Bartholomeus erlebte schließlich das Kriegsende in Mihla und konnte mit seinen Schülern – zuletzt gelang es ihm auch noch einen neuen Adjuvantenchor aufzubauen – das Friedensfest im Herbst 1650 feiern. 1651 schließlich verstarb er.

1608 Krieg 2 1608 Krieg 3
Aus der Zeit des 30jährigen Krieges: Zwei Fachwerkhäuser in Mihla, links „Am Bach“, wohl auf älterer Wurzel in der Wiederaufbauphase in heutiger Form errichtet (Ansichtskarte aus dem Jahre 1932), und das „Hölzerkopfhaus“ in der Mühlgasse.

– Ortschronist Mihla –

Wetter aktuell