Geschichte

  • erste Erwähnung 1248
  • Mainzer Tafelgut
  • Rittersitz

heute

  • ca. 2300 Einwohner
  • Teil der Stadt Amt Creuzburg
  • Sehenswürdigkeiten: Rotes Schloß, Graues Schloß

Der Ortsteil Mihla mit Buchenau hat 2300 Einwohner und liegt im mittleren Werratal. Seit 2020 sind die Orte zum neugegründeten Amt Creuzburg gehörig.

Mihla wurde urkundlich erstmals in den Jahren zwischen 780 und 802 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda erwähnt, ist damit also über 1200 Jahre alt und zählt zu den frühesten Siedlungen im Werratal. Der Ortsname leitet sich von der alten Bezeichnung von einer Siedlungsstelle am Wasserlauf (aha- Endung) ab, an der „durch die Wasserkraft Steine zu Sand zermahlen (=Wortwurzel –mel) werden…“

Schon im 10. Jahrhundert nannten sich adlige Familien nach dem Ort. Die „Herren von Mihla“ stiegen im 13. Jahrhundert als Nebenlinie der Truchsesse von Schlotheim zur Führungsschicht am Thüringer Landgrafenhof auf.  Sie ließen im Überschwemmungsbiet der Werra eine leicht zu verteidigende Wasserburg errichten, die sogenannte „Kemenate“. Ihre Reste sind heute im Grauen Schloss zu finden.

Auf dem „Propel“ (umgangssprachlich für „Brachbühl“= Gerichtsplatz) unterhielten die Landgrafen und deren Nachfolger einen zentralen Gerichtsplatz. Mit der St. Martinskirche, die wohl schon in der Zeit der Missionierung Thüringens als Urpfarrei und Sedeskirche errichtet wurde, entwickelte sich ein religiöses Zentrum der Region.

Die Lage am Werralauf und an mehreren wichtigen Handelsstraßen, die zentrale Kirche und der sitz eines wichtigen Adelsfamilie führten zur Begründung eines mittelalterlichen Marktes, der im Jahre 1248 auch urkundlich erwähnt wird. In Mihla wurden im Auftrag der Erzbischöfe von Mainz, die inzwischen die Lehnsoberhoheit erreicht hatten, Münzen, sogenannte „Brakteaten“, geschlagen.

Seit dem Jahre 1436 saßen die Herren von Harstall als Lehns- und Gerichtsherren in Mihla. Sie begründeten mehrere Familienlinien und erbauten zwei weitere Schlösser, wovon das 1581 fertig gestellte „Rote Schloss“ zu den schönsten und größten Fachwerkschlössern Westthüringens im Renaissancestil gehört. Die alte Wasserburg in der Werraniederung wurde bis 1536 zum „modernen“ Schloss umgebaut, dem heutigen Grauen Schloss.

Diese Entwicklung konnte im späten Mittelalter nicht beibehalten werden. Häufig wechselnde feudale Herrschaften sowie die Wirkungen der Kriege, von denen besonders der 30jährige Krieg 1618 bis 1648 Mihla hart traf, führten zur Verödung der Handelsstraßen. Die gerade in unserer Gegend so deutlich sichtbare Kleinstaaterei tat ein Übriges hinzu. Trotzdem blieb der Ort einwohnerstark und schaffte im 18. Jahrhundert einen erneuten Aufstieg. Dieser hing vor allem mit der Schifffahrt auf der Werra zusammen. Vor allem Getreide und Waid aus der Gegend um Mühlhausen und Langensalza wurden in Mihla am Mühlgraben („Hölzerkopfhaus“) verschifft, der Ort besaß Stapelrechte und trat zeitweise in Konkurrenz zum bedeutenden Werrahafen in Wanfried. Aus dieser Zeit haben sich zahlreiche sehenswerte Fachwerkhäuser erhalten, die heute meist liebevoll gepflegt sind.

Im Jahre 1900 wurde die Einwohnergrenze von 2000 Bewohnern überschritten. Allmählich setzte eine vorsichtige Industrialisierung ein. Hierzu trugen Baugewerbe (Steinbrüche im Hainich), die Zigarrenindustrie sowie mehrere Sägewerke und Zimmerplätze erheblich bei. Wichtig war der im Oktober 1907 erfolgende Anschluss an die Werrataleisenbahn von Eisenach nach Treffurt. Seit 1910 gab es elektrischen Strom, der in einem eigenen Wasserkraftwerk an der Werra produziert wurde.

Erster und Zweiter Weltkrieg trafen Mihla hart. Von 1914 bis 1918 fanden 71 Mihlaer den Tod, im Zweiten Weltkrieg fielen über 160 Einwohner. Im April 1945 wurde an der Werra der Versuch gemacht, die vordringenden Amerikaner aufzuhalten. Dabei fanden noch zahlreiche Soldaten den Tod, sämtliche Brücken über die Werra wurden zerstört. Die Nachkriegsentwicklung rückte Mihla in die Nähe der Zonengrenze, wodurch sich Handel und Gewerbe nur langsam erholten. Trotzdem blieb der Ort wirtschaftliches Zentrum der Region.

Neben landwirtschaftlichen Betrieben (LPGs) und einem Kombinatbetrieb, in dem landwirtschaftliche Ausrüstungen produziert wurden, siedelte sich in Mihla die Uhrenindustrie (Uhrenwerke Ruhla) an. Der Ort blieb Schulstandort und verfügte über eine entwickelte Infrastruktur.

Nach der „Wende“ gingen viele Arbeitsplätze verloren. Trotzdem konnten zahlreiche Gewerbe, vor allem in der Stahlfertigung und im Handwerk, erhalten bleiben und neue, so Medizintechnik (Firma Fresenius/Cabi), Klebetechnik (Firma ATP), sie Stahlbaufirma Vollack und die Brandschutztechnik Mihla, angesiedelt werden.

Der Ort verfügt heute über eine moderne Infrastruktur. Neben der Regelschule sind zwei Vorschuleinrichtungen vorhanden, gibt es Arztpraxen sowie eine Apotheke. Insgesamt 14 Vereine, darunter der SV Mihla mit 4 sportlichen Abteilungen vom Fußball bis zur Laufgruppe, der Reit- und Fahrverein, der jährlich zu Pfingsten ein viel beachtetes Springturnier veranstaltet, und der Heimatverein, der sich für die über 200 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege in den nahe gelegenen Nationalpark Hainich und in das Werratal verantwortlich zeigt und das Museum „Adel, Bauern und Kriege in Westthüringen“ im Mihlaer Rathaus betreut, sorgen für kulturelle und sportliche Angebote.

Das „Dr. Ernst Wiedemann“ Bad mit seinen modernen Anlagen und solar geheizten Becken ist in Nah und Fern bekannt und zieht im Sommer Tausende von Badegästen an.

Über die Geschichte des Ortes und der Region informieren zahlreiche heimatgeschichtliche Bücher und Broschüren, die in der Infostelle des Amtes Creuzburg im Rathaus, Marktstraße 18, ebenso wie weitere Hinweise und Ratschläge für einen aktiven Urlaub in der Region am Nationalpark Hainich eingeholt werden können.

Galerie

Text und Bilder: R. Lämmerhirt

Rotes Schloß

Ehemalige Wasserburg aus dem 16. Jahrhundert.

Graues Schloß

Reit- und Fahrverein

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