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St. Martin

Das heutige barocke Kirchenschiff der Mihlaer St. Martinskirche wurde im Jahre 1711 neu errichtet und war bereits der dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Der Kirchturm stammt aus romanischer Zeit und wurde schon im 12. Jahrhundert als Westturm erbaut. Darauf weisen die mit Öffnung zum Kirchenschiff vorzüglich erhaltenen Arkaden mit Kapitellsäulen hin, die in der Entstehungszeit des Turmes als Herrschaftssitz bei Gottesdiensten genutzt wurden.

Die Kirche – das Patrozinium des Heiligen Martin verweist auf die karolingische Zeit – wurde im Zusammenhang mit der vom Königshof „Milingen“ ausgehenden christlichen Missionierung des Werratales in ein heidnisch-germanisches Heiligtum gesetzt. Noch heute ist der burgartige Charakter dieser frühen Kirche mit umlaufender Befestigungsmauer gut zu erkennen.

Im 13. Jahrhundert zählte die Urpfarrei und Sedeskirche (Tauf- und Begräbniskirche) St. Martin zum Tafelgut des Erzbistums Mainz, welches in Mihla einen Wirtschaftshof und eine Münzstätte unterhielt. Später wurde die St. Martinskirche zur Herrschaftskirche regionaler Adelsfamilien, so der Herren von Mihla und der Familie von Harstall, die seit 1436 auch die Kirchenrechte ausübten.

Im Jahre 1243 wurde mit dem Pfarrer Hermann ein erster Geistlicher genannt. 1269 war ein Pfarrer Dietrich Boso zugleich Chorherr des Augustinerstiftes zu Burschla (heute Großburschla).

Altar
Altar

Die Kirche erfuhr in der Zeit der Familie von Harstall zahlreiche Ausschmückungen und Zuwendungen. Der um 1490 in einer Erfurter Werkstatt entstandene gotische Schnitzaltar zählt heute zu den wertvollsten Altaren seiner Art in Westthüringen. Sehenswert sind auch die Predigtkanzel, der Taufstein aus der Zeit um 1740 sowie die noch gut erhaltenen Herrschaftsstände der Familie von Harstall mit Wappendarstellungen.

St.-Martin-1
St.-Martin

Die Verwüstungen des 30jährigen Krieges machten einen Gesamtneubau nötig, der im Jahre 1711 abgeschlossen wurde. Das Kirchenschiff wurde vom Eisenacher Hofmaler Johann Georg Wentzel farbig ausgemalt, 1716 erhielt die Kirche eine Sterzingorgel, die Johann Bach aus Eisenach stimmte. Die heutige Knauf-Orgel wurde mit großem Aufwand die Kirchgemeinde saniert.

Erhalten haben sich auch zahlreiche Grabsteine des ehemaligen Erbbegräbnisses der Familie von Harstall.

Als Besonderheit gilt, dass die Kirchenglocken in einem extra errichteten Glockenhaus aufgehängt sind, darunter eine in Mihla gegossene Glocke aus dem Jahre 1516.

Text und Bilder: Rainer Lämmerhirt

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