Zum Schluss unserer Reise auf der Werra noch einige Zahlen: 1910 wurden auf der Werra 350 Flöße aller Arten gezählt. 1928 waren es noch 91, die Zahl sank auf 84 Flöße im Jahr 1934 und 1938, im letzten Jahr vor dem neuen Weltkrieg, waren es nur noch 40 Flöße.
Die Nachkriegsentwicklung verhinderte einen Neuanfang, vergessen sollte man diese ganz besondere Geschichte jedoch nicht.

Das letzte Hindernis vor dem Ziel: Die Schleuse am „Letzten Heller“.

Der Weserstein in Hannoversch-Münden ist erreicht. Dort gab es damals einen kleinen Hafen mit Bahnanschluss. Der Besuch des Wesersteines war Pflicht.
Im September 1939 begann der nächste Krieg. 35 Flöße wurden im gesamten Jahr gezählt. 1940 kamen nur noch vereinzelt Flöße die Werra herab, ehe dann durch die Kriegsfolgen das Flößen ganz eingestellt wurde.
1945 hatten die Menschen im Werratal andere Probleme. Schon bald stand die staatliche Teilung durch die Besatzungsmächte auf dem Programm und die Werra wurde Grenzfluss. So blieb es bis 1990. Danach kam die Flößerei wieder in Mode, nun allerdings ausschließlich unter touristischem Vorzeichen. Vereine entstanden, die das alte Flößerhandwerk besonders um Wernshausen wieder aufleben ließen und heute gehören Flöße mit viel neuem Beiwerk zum touristischen Geschäft in der Werraregion. Gänzlich vergessen wurde die über 800 Jahre alte Flößerei also nicht.
Noch eine Bemerkung zur Rückkehr der Flößer: Nach der Ablieferung der Flöße in Hannoversch-Münden ging es bis zum Bau der ersten Eisenbahnlinien (um 1860) zu Fuß gemeinsam in zwei bis drei Tagesmärschen zurück nach Wernshausen. In einem Ranzen wurden die persönlichen Dinge, die für die Fahrt unentbehrlich waren, transportiert. Mitunter konnten unterwegs für Streckenabschnitte auch Fuhrwerke genutzt werden.
Mit der Eisenbahn ging es dann natürlich besser voran, aber mehrmals Umsteigen war auch angezeigt.
Mit diesem Hinweis endet nun unsere Floßfahrt und damit die Erinnerung an die schon lange vergessene alte Zeit. Nochmals herzlichen Dank an Matthias Wuth aus Treffurt und Uwe Lüttge aus Mihla!

Unser letztes Bild zeigt die Flößer Nößler (zwei Brüder), Möcker und Pfaff nach dem Verlassen der Flöße. Nun geht es zurück nach Wernshausen zur nächsten Fahrt. Das Foto wurde oft veröffentlicht.
Rainer Lämmerhirt
