Kriegslärm in jenen Tagen war auch in unserer Region zu erfahren. Nach Jena und Auerstedt und der schandhaften Kapitulation der Festung Erfurt kam es bei Wutha unweit von Eisenach dann doch noch zu einem Gefecht. Dieses ging jedoch gänzlich anders aus als es die Franzosen inzwischen gewohnt waren.
Einige Eskadronen des preußischen Husarenregiments 3 von Pletz hatten nach den Gefechten bei Schleiz und Saalfeld den Anschluss an die Hauptarmee verloren und waren nach Westen ausgewichen und schließlich auf Umwegen Eisenach erreicht.
Hier erfuhr der Secondeleutnant und Schwadronsführer Rudolph Friedrich Hellwig von einem Zug preußischer Gefangener, die unter schwacher Bewachung von Erfurt kommend die Straße nach Frankfurt am Main nahmen. Es handelte sich um Teile der preußischen Besatzung, die ohne Widerstand geleistet zu haben, unehrenhaft kapituliert hatten. Die tatsächliche Zahl der Gefangenen wird unterschiedlich beziffert, es waren wohl mindestens 4.000 und höchstens 8.000 Mann.
Dies geschah und am 17. Oktober führte Hellwig seinen erfolgreichen Überfall bei Eichrodt (heute Ortsteil von Wutha) durch. Bei geringen eigenen Verlusten wurden die preußischen Soldaten befreit und mehrere Dutzend Franzosen gefangen genommen. Dieser Erfolg blieb allerdings bedeutungslos, da es die Masse der Befreiten vorzog, nach Hause zu gehen.

Gedenkfeier am Hellwigdenkmal bei Wutha im Oktober 2013. Damals mit dabei eine Abordnung des Mihlaer Kirmesvereins mit historischen Husarenuniformen, Foto Autor.
Zurück zum Weimarer Militär im Jahre1806: Am 15. Dezember jenes Jahres „rettete“ Herzog Karl August seine Herrschaft, indem er dem Rheinbund beitrat. In der Folge dieser später gern als verräterischen Schritt angesehenen Handlung des Landesherren war auch das Amt Creuzburg für die Franzosen zum verbündeten Gebiet geworden. Jedoch behandelten diese als Sieger Land und Leute als erobertes Gebiet.
Innerhalb von drei Monaten musste das Herzogtum 2.200.000 Franken Kontribution zahlen, die durch immer neue und höhere Steuern eingetrieben wurden. Zugleich überschwemmten Durchmärsche und Einquartierungen unser Land denn der Krieg im Osten hatte sich zum Kampf gegen das russische Zarenreich ausgeweitet.
Höhepunkt waren die Monate bis Anfang 1807, aber auch noch später waren häufig französische oder Rheinbundsoldaten „zu Gast“.
Im Mihlaer Kirchenarchiv liegt ein umfangreicher Briefwechsel, indem sich die Lauterbacher Gemeinde mehrfach bei der Gothaer Regierung darüber beschwerte, dass Lauterbach als Gothaer Dorf immer mehr von Einquartierungen betroffen war als die umliegenden Weimarer Dörfer, besonders aber Mihla. In diesen Briefen berichteten die Lauterbacher immer wieder über Plünderungen und von Übergriffen und baten um polizeilichen Schutz.

Soldaten des 1807 gebildeten Sächsischen Regiments. Von Links Jäger und Offiziere des Weimarer Bataillons, Infanterist und Offizier der Linienbataillone aus Gotha und Offizier und Grenadier aus Coburg, 1807, aus: Richard Knötel, Uniformkunde, Sammlung Autor.
Als „Verbündeter“ Napoleons mussten die sächsischen Herzogtümer ein eigenes Regiment im Rahmen der Rheinbundtruppen aufstellen. Im Vertrag von Posen war vorgeschrieben, dass dieses Regiment insgesamt aus drei Bataillonen und 2.800 Mann bestehen sollte.
Das Herzogtum Weimar hatte hiervon 800 Mann aufzubieten, Gotha musste 1.100 Soldaten stellen, Meiningen 300, Coburg 400 und Hildburghausen hatte nochmals 200 Soldaten einzubringen. Geregelt war weiter, dass die Kontingente der Herzogtümer Weimar, Coburg und Hildburghausen das dritte Bataillon, das Leichte Bataillon, bilden sollten. Hier standen die militärischen Erfahrungen der Weimarer Schützen Pate.
Altenburg und Meiningen mussten zu den zwei weiteren Linienbataillonen jeweils 700 Mann beisteuern. Im Leichten Bataillon dienten fortan auch Männer aus Mihla, Bischofroda, Ebenau und Creuzburg. Das Regiment wurde an den gefährlichsten Stellen eingesetzt; so vor der preußischen Festung Kolberg, in Tirol, in Spanien und schließlich in Russland.
Bei den Kämpfen 1809 in Tirol gegen die aufständischen Standschützen um Andreas Hofer schaffte es ein Mihlaer sogar bis in das Reich der Legende. Davon bald mehr.
– Ortschronist Mihla –
