Verschwundene Wohnhäuser und Bauwerke in Mihla – Die Hirtenhäuser

Im Verlauf seiner Geschichte hat unser Ort viele früher gut bekannte Gebäude verloren. Der Abbruch erfolgte meist aus bautechnischen Gründen oder wegen veränderter Verkehrsführung. Einige dieser Gebäude waren ortsprägend. An manche werden sich ältere Leser aus Mihla noch erinnern, andere sind nur von alten Fotos oder von den Erzählungen der Großeltern bekannt. Für den Historiker spielt hierbei die aus dem Jahre 1830 erhaltene Grundrisskarte eine wichtige Rolle. Hier sind alle damals vorhandenen Gebäude durchnummeriert erhalten.

Verschwundene Gebaeude
Ausschnitt aus der Grundstückskarte von 1830. Das Hirtshaus in der heutigen Neustadtstraße lag auf dem Grundstück Nr. 84 und ist bei der Nummer 117 eingezeichnet.

So spielten die Hirtenhäuser der Gemeinde immer eine wichtige Rolle. Hirten, Schafhirte, Kuhhirte und Schweinehirte, aber auch der sogenannte Flurschütze, wurden von der Gemeinde angestellt und auch bezahlt. Allein daran erkennt man, wie wichtig unseren Vorfahren diese Dienstausübung galt.

Namen dieser Hirten sind seit dem Jahre 1679, der ältesten erhaltenen Rechnung eines Mihlaer Heimbürgen (Vorläufer des Bürgermeisters) bekannt.

Die Gemeinde ließ für die Hirten und sicher auch deren Familien sogar ein eigenes Wohnhaus errichten. Dieses Gebäude entstand in der „Neustadt“, an der Ecke zur Mühlgasse, direkt gegenüber dem Steinborn, dem bekanntesten Mihlaer Laufbrunnen.

Aus den Heimbürgenrechnungen sind auch Reparaturen an dem Haus, vielleicht früher sogar zwei Häuser, bekannt.

Mitunter geschahen auch unschöne Dinge, so im Jahre 1749. In diesem Jahr wurde ein Schuppen am Hirtshaus für einen ganz besonderen Fall genutzt, der sicher nicht der Nächstenliebe zuzurechnen ist.

Schauen wir in einen alten Bericht: Ein erschreckendes Beispiel für die ärztlichen Verhältnisse und die zwischenmenschlichen Beziehungen stellt der Fall der dorfbekannten Hure Susanna Görckin dar.

Die Görckin hatte sich eine Geschlechtskrankheit zugezogen und musste, von der gesamten Gemeinde gemieden und schließlich ausgesetzt, in einem verfallenen gemeindeeigenen Schuppen in der Neustadtstraße bei lebendigem Leibe verfaulen.

Nachdem sie schließlich nach furchtbaren Leiden am 25.1.1749 verstorben war, ließ man sie durch 3 Bettler am äußersten Ende des Kirchhofes zum Brauhaus hin verscharren.

Was waren das für rohe Zeiten!

Verschwundene
Aufnahme des Hauses kurz vor dem Abriss um 1995.

 

Später wurde das Haus umgebaut. Zuletzt befand sich dort die Gemeindeschwesternstation und so ist es vielen Mihlaern noch bekannt. Als diese Tätigkeit nach der „Wende“ eingestellt wurde, gab es dort noch einen Fotoladen, ehe der Verkauf und schließlich der Abriss anstanden.

Heute befindet sich an diesem geschichtsträchtigen Ort ein Parkplatz.

– Ortschronist Mihla –

Wetter aktuell