Mihlaer Bürgermeister: Bürgermeister Friedrich Baumbach starb bei der Ausübung seiner Amtstätigkeit

Bürgermeister Baumbach war im Jahre 1890, in der „Kaiserzeit“, in sein Amt gewählt worden. Dieses übte er beinahe 30 Jahre aus.

Schlimme Zeiten galt es dabei für den Ort zu meistern; der Erste Weltkrieg führte zu großem Leid und zu schwerem Unglück für viele Familien. 71 Männer aus Mihla fanden „Für Kaiser, Gott und Vaterland“ den Tod auf den Schlachtfeldern Europas.

In Mihla brach 1917 eine Typhuserkrankung aus, die viele Opfer forderte.

Bürgermeister Baumbach war im Ort nicht unbeliebt. Mihla hatte in den Jahren vor Ausbruch des Weltkrieges einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren. Dazu trugen die Ansiedlung verschiedener Gewerbe im Ort bei. Zu denken wäre zum Beispiel an das Baugeschäft Schlothauer, welches mehrere Steinbrüche im Hainich betrieb und vielen Mihlaern Brot und Lohn gab.

Zu nennen wäre auch das Sägewerk von Wüstefeld und Kraft, welches damals noch im Mihlaer Tal stand, nach dem Krieg aber auf den Viehrasen „umzog“. Profitieren tat die Gemeinde auch von dem finanzkräftigen Jenaer Nervenarzt Dr. Binswanger, der das Rote Schloss 1895 erworben hatte. Er förderte den Neubau der „Carl Alexander Schule“, ließ die Ziegelei im Tiefenbach erbauen und baute die Brauerei im Roten Schloss aus.

In der Amtszeit des Bürgermeisters Baumbach zog der Fortschritt in Mihla ein.

Noch vor der Jahrhundertwende wagte sich der Gemeinderat, in dem die Rittergutsbesitzer des Roten und des Grauen Schlosses dominierten, an den Aufbau einer Trinkwasserversorgung mit Hochbehälter und neuen Leitungen heran. Dadurch wurde das uralte System der Dorfbrunnen allmählich beendet.

BM Baumbach
Zu den wichtigsten Ereignissen in seiner langen Dienstzeit gehörte im Oktober 1907 die Einweihung der Eisenbahnlinie Eisenach, Creuzburg-Mihla-Treffurt-Eschwege. Zum Empfang des Sonderzuges waren hunderte Mihlaer gemeinsam mit der Kirmesgesellschaft, es war das damalige Kirmeswochenende, zum neuen Bahnhof geeilt.

 Seit 1907 wurde in der Werramühle elektrischer Strom hergestellt und Mihla konnte nach Anschluss an die Überlandzentrale Mühlhausen eine elektrische Straßenbeleuchtung errichten und die privaten Abnehmer erhielten Strom zu günstigen Tarifen.

Ganz entscheidend wirkte sich jedoch der Bau der Werrataleisenbahnlinie von Eisenach über Creuzburg und Mihla nach Treffurt, Wanfried und Eschwege aus. Seit Oktober 1907 wurde diese Linie betrieben und Bürgermeister Baumbach hatte als Mitglied im Vorbereitungsausschuss eine wichtige Arbeit geleistet.

BM Baumbach
Auch der Bau der Ziegelei im Tiefenbach 1999 wurde durch Bürgermeister Baumbach maßgeblich unterstützt und gefördert.

BM Baumbach
 Den Ausbruch des 1. Weltkrieges gegen den „Erbfeind“ Frankreich hatte Baumbach als konservativ eingestellter Mensch begrüßt, am Ende waren 71 Mihlaer gefallen und 1921 erlebte er unter seinem Nachfolger noch die Errichtung des Gefallenendenkmals.

Mihla war in den Jahren vor 1914 zu einem wichtigen Zentrum der Region geworden. So konnte der Ort bei der Einwohnerzählung 1912 die 2000 Einwohnergrenze überschreiten. Dann kam der Krieg…

Den Sturz des Kaisers und den Umbruch auch in den dörflichen Verhältnissen wollte und konnte Bürgermeister Baumbach, ein Mann aus der alten Zeit, nicht mittragen. Schon 1919 meldete er im Gemeinderat seine „Krankheit“ an und 1920 kam es zu Neuwahlen.

Trotzdem nahm Baumbach noch das Amt des Standesbeamten wahr. Auch als Kirchenältester wirkte er noch nach seinem Rücktritt und viele Jahre war er im Vorstand des Raiffeisenvereins tätig.

Die neue Zeit jedoch, vor allem die sich in vielen Bereichen zeigenden Veränderungen und die beherrschende Rolle der SPD in der Gemeinde, mit der er nicht zusammenarbeiten wollte und konnte, lehnte er innerlich ab und daher ist wohl auch sein überraschender Tod im April 1922 zu erklären.

Während seiner standesamtlichen Arbeit im Mihlaer Rathaus, dessen Bau er auch veranlasst hatte; er notierte gerade den letzten Sterbefall im Register, entglitt ihm die Feder und er erlitt einen Schlaganfall, der sofort zum Tode führte.

Der ehemalige Bürgermeister verstarb im 66sten Lebensjahr und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen.

Viel an Erinnerung an diesen interessanten Mann ist nicht geblieben. Zu sehen sind noch heute die großen bunten Kirchenfenster im Chorraum der Mihlaer Kirche, die zumindest teilweise von ihm angeregt und finanziert wurden.

Rainer Lämmerhirt

– Ortschronist –

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