2. Teil Von Mühlen und Schleusen

Unsere Flöße haben inzwischen Wernshausen verlassen und schwimmen die Werra abwärts.

Heute kaum zu glauben, die unzähligen Mühlen, die es vor 100 Jahren noch gab, vor allem aber die damit verbundenen Wehre waren nicht nur Hindernisse auf dem Weg der Flöße zur Weser, sie stellten sogar eine entscheidende Hilfe dar.

Die zahlreichen Wassermühlen an der Werra, allesamt unterschlächtig betrieben, besaßen Wehre. Diese Kunstbauwerke waren in den Fluss eingebaut, um das Wasser für ihre Mahlwerke aufzustauen. Hintergrund war der im Verlauf des Jahres unterschiedlich hohe Wasserstand der Werra. Die Mühlräder benötigten immer den annähernd gleichen Wasserdruck auf ihre Räder, der nur so hergestellt werden konnte.

Damit die Flößerei dadurch nicht blockiert wurde, gab es bereits seit vielen Jahrzehnten feste bauliche und organisatorische Regelungen: Jedes Mühlenwehr an der Werra musste über eine spezielle, absenkbare Öffnung, eine Floßgasse, verfügen. Diese Durchlässe wurden sogar exakt auf die Standardmaße der Werraflöße abgestimmt.

Bei niedrigem Wasserstand öffneten die Müller oder Flößer die Wehre schlagartig. Die entstehende Flutwelle, Schwallung genannt, trug die Baumstämme dann sogar über seichte Abschnitte der Werra bis zur nächsten Mühle hinweg.

Die Durchfahrt der Flöße führte zu einer Unterbrechung des Mühlenbetriebs. Daher mussten die Flößer dafür eine Gebühr entrichten. Häufig war es so, dass dem Müller pro Bretterfloß ein Brett als Zoll zu überlassen.

Konflikte und Auseinandersetzungen um dieses „Mühlenrecht“ waren an der Tagesordnung. Oft mussten die Besitzer der Mühlen von den zuständigen Landesregierungen aufgefordert werden, „Fache“ in ihre Wehre zu bauen.

Ein solcher Streitfall ist für das Wehr der bereits 1248 erwähnten Mihlaer Werramühle bekannt:

Die Herren von Harstall, die im Mihlaer Grauen Schloss saßen und die Rechte über die Werramühle inne hatten, wurden in einem Schreiben vom 7. Juli des Jahres 1563 vom  Herzog Johann Friedrich Casimir aufgefordert, „… dass Ihr durch Euer Mühlenwehr zu Milau ein fach und Schleußen machen lassen wollt, damitt die Schiffe herauf und wider hinab ungehindert kommen.“ Erst zwanzig Jahre später, 1583, wurde durch die Harstalls die Fertigstellung der geforderten Schleuse gemeldet.

Schauen wir uns nun einige Fotos aus der Diaserie an, die das Passieren dieser Schleusen zeigen:

Flossfahrt
Eine Aufnahme der Schleuse bei der damaligen Klostermühe von Allendorf. Die Schleuse ist geöffnet und das Floß schießt regelrecht durch das Fach, nicht ungefährlich für den Floßführer.

Flossfahrt
Die Werramühle in Salzungen. Rechts das Mühlrad, links die Schleusenkammer mit dem Floß. Der Müller rechts beobachtet genau die Durchfahrt. Zwei Männer bedienen die Schleusenkammer.

Flossfahrt
Die Schleuse bei Salzungen ist geschafft und nun ist freie Fahrt… bis zur nächsten Mühle. Hier sind mehrere Flöße zu einem Verbund zusammengefügt.

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