Vor 80 Jahren – Der Untergang Creuzburgs zu Ostern 1945

31. März 1945: Am Ostersamstag brachten Pioniere einer Spezialeinheit an allen Brücken über die Werra bei Hörschel, am Wasserkraftwerk Spichra, bei Creuzburg, Ebenau, Mihla, Frankenroda und Falken am „Viadukt“, der Straßenbrücke bei Mihla über die Eisenbahnlinie, Sprengladungen an.

In Creuzburg am Wallstieg und auf dem Spatenberg bei Spichra entstanden weitere Abwehrstellungen und die dortigen Brücken wurden zur Sprengung vorbereitet. Aus Erfurt und vom Truppenübungsplatz Ohrdruf trafen an diesem Tag weitere Panzerfahrzeuge, darunter ein moderner Flakpanzer „Kugelblitz“ und ein Flakpanzer IV „Möbelwagen“ sowie ein weiterer Flakpanzer „Wirbelwind“ ein, die bei Spichra („Kugelblitz“) und auf dem Wallstieg bei Creuzburg stationiert wurden.

Die Parteileitungen der NSDAP erhielten in den Werraorten die Anweisung, ihre Dokumente zu vernichten. Per Gemeindeboten wurden die Einwohner in Creuzburg und Mihla angewiesen, bei Auslösung des Feindalarms (Sirenensignal) die Evakuierung durchzuführen. Für Creuzburg wurden als Fluchtorte der Felsenkeller, das Waldgut Eschenborn und die Höhen am Wisch ausgegeben, die Mihlaer sollten in die Hainichwälder fliehen.

Die Familien der Konfirmanden bereiteten sich auf die am Ostersonntag anstehende Feier vor, in den Bäckereien wurde dazu Kuchen gebacken…

Am Abend beschossen US-Tiefflieger den letzten über die Brücken rollenden schweren Transportzug, der mit Teilen eines Artillerieregiments in Richtung Treffurt unterwegs war.

Ostersonntag, 1. April 1945: Am frühen Morgen traf Pfarrer Mitzenheim mit einem Fahrrad aus Eisenach ein. In Lauterbach führte er die Konfirmation durch. Als in Mihla dieser Gottesdienst beginnen sollte, wurde dieser auf Anweisung des Bürgermeisters wegen „Feindgefahr“ aufgehoben. Von Westen her war ständig zunehmender Gefechtslärm zu hören.

Dieser Gefechtslärm entstand durch den Vorstoß von US- Panzern auf der Autobahn bis zur Werra und die dabei stattfindenden Gefechte mit deutschen Soldaten in Gerstungen, Wommen, Neustädt, Herleshausen und schließlich in Hörschel und Wartha.

Bei Annäherung der US- Streitkräfte sprengten die deutschen Pioniere die Eisenbahnbrücke bei Hörschel. Die amerikanischen Spitzenpanzer folgten nun dem Straßenverlauf in Richtung Holzbrücke bei Spichra bzw. Straßenbrücke Spichra am dortigen Wasserkraftwerk.

Auf dem Hörschelberg zwischen Hörschel und Spichra standen mindestens zwei deutsche 7,5 cm Pak. Sie feuerten auf die amerikanische Spitze und zerstörten mehrere Panzer, als diese kurz vor Mittag des 1. Aprils 1945 die Straßenkurve unterhalb des Zickelberges erreicht hatten. Gleichzeitig wurde die Holzbrücke gesprengt und mit Strohballen, die Spichraer Bauern noch am Vortage dorthin fahren mussten, in Brand gesteckt und der mittlere Teil der Kraftwerkbrücke in die Luft gejagt. Es entwickelte sich ein weiteres schweres Gefecht, in welches die US-Panzer eingriffen. Durch Panzerfäuste und Pak sollen vier amerikanische Panzer abgeschossen worden sein.

Der Kampfbericht der 4. US-Panzerdivision schildert starken deutschen Widerstand im Raum Hörschel/Spichra. Die inzwischen an der amerikanischen Spitze marschierenden Einheiten der gepanzerten Kampfgruppe „A 35“ verloren nach diesen Angaben drei Panzer und wurden im Vormarsch aufgehalten. Insgesamt meldete die 4. Panzerdivision für den 1. April zwei gefallene Offiziere, 16 gefallene Unteroffiziere und Soldaten sowie 33 Verwundete. Die Mehrzahl der amerikanischen Verluste war im Bereich Hörschel/Spichra zu verzeichnen.

Sofort änderten die US-Truppen ihre Taktik. Aufklärungstrupps erkundeten die Ringgaudörfer und besetzten diese ohne größeren Widerstand. Die Divisionsartillerie und die Panzer eröffneten das Feuer auf den Spichraer Spatenberg und schon bald waren die dortigen deutschen Fahrzeuge und die Stellungen zerstört. Auch der moderne Flakpanzer „Kugelblitz“ wurde vernichtet. Die überlebenden Soldaten flohen in Richtung Krauthausen.

Mehrere Stunden hielt der Beschuss an und führte zu schweren Zerstörungen in Spichra. Über die Hälfte der Gebäude wurden, zum Teil mit Phosphorgranaten, in Brand geschossen und da sich die Einwohner bis auf drei Familien nach Ütteroda begeben hatten, konnte kaum jemand löschen.

Über eine kleinere Schlauchbootbrücke besetzten zunächst Infanteriekräfte Spichra und sicherten den Brückenkopf. Bis zum Nachmittag des 2. April wurde dann eine wesentlich stärkere Pontonbrücke errichtet, über die dann amerikanische Panzer in Richtung Krauthausen vorstießen.

Während die Kämpfe um Spichra noch anhielten, erhielten gegen 17.00 Uhr Einheiten des 35. und 51. gepanzerten Infanteriebataillons der 4. Panzerdivision als „Sonder-Kampfgruppe“ den Befehl zum Angriff auf Creuzburg. Dort hoffte man eine noch unbeschädigte Werrabrücke in Besitz nehmen zu können.

Der Ortsgruppenleiter und amtierende Bürgermeister Karl Kabisch hatte bereits am Vortag den Volkssturm zum Bau von Panzersperren befohlen.

Soldaten eines Zuges der Panzerjägerersatzabteilung 9 aus Mihla sowie Angehörige versprengter Wehrmachtseinheiten und Volkssturmmänner, hatten Stellungen auf dem Brückenberg und am Wallstieg ausgehoben und dort standen auch drei Flakpanzer.

Die Einheit umfasste insgesamt insgesamt etwa 100 Mann unter Führung des Hauptmanns Kladik. Die Reste der provisorischen Stellungen sind noch heute am Wallstieg erkennbar.

Dieser Ostersonntag brachte am Nachmittag Tod und Vernichtung nach Creuzburg. Die Amerikaner stießen mit Aufklärungskräften in die Stadt vor und schossen aus den Panzerka-nonen über die Stadt. Diese Aufforderung zur Kapitulation wurde jedoch durch Abwehrfeuer vom Wallstieg her beantwortet. Die amerikanische Spitze zog sich daraufhin zurück. Creuzburg wurde nun von der bei Willershausen, Archfeld, Herleshausen (Landstraße nach Frauenborn) und wohl auch auf der Ringgauhöhe bei Renda aufgefahrenen Divisionsartillerie unter schweren Beschuss genommen. Am Abend drangen amerikanische Panzer in die Stadt ein und brachen den Widerstand der wenigen Verteidiger. Überall brachen Brände aus und da die meisten Einwohner die Stadt verlassen hatten, konnten diese nicht gelöscht werden.

Am Abend und in der Nacht wurde der Beschuss von Creuzburg fortgesetzt. US-Artillerie griff immer wieder in die Kämpfe ein und auch die deutschen Stellungen am anderen Ufer wurden unter Feuer genommen. Dort war inzwischen jeder Widerstand erloschen, die Geschütze zerstört, auch der Panzer wurde abgeschossen. Mindestens zehn deutsche Soldaten um den Leutnant Kehr fanden dabei den Tod, weitere Gefallene wurden sicher von den Amerikanern geborgen. Einige wenige Soldaten konnten sich in Richtung Ütteroda absetzen.

Karl-Heinz Michel aus Creuzburg, er beschäftigt sich schon sehr lange mit der Geschichte der Stadt, konnte ein Originaldokument auswerten, indem anlässlich des 4. Jahrestages des Untergangs der Stadt Creuzburg am 1. April 1949 detailliert über die Zerstörungen berichtet wurde.

Darin stellte der damalige Bürgermeister Schönberger fest, dass bei den Kämpfen am 1. und 2. April und durch die Feuerbrunst acht Creuzburger Bürgerinnen und Bürger, die nicht geflohen waren, ums Leben kamen: Emil Göpel, Heinrich Hartmann, Emil Mörstedt, Magdalena Gross, Philipp Tuchscherer, Friedrich Conrad, Elise Ebenau und Rosemarie Ebenau.

Im Ergebnis der Brände, so der Bürgermeister 1949, seien 326 Häuser, 300 Ställe, 145 Scheunen zerstört worden, sieben Wohnhäuser wären schwer beschädigt.

An städtischen Gebäuden seien das Rathaus mit allen Akten völlig verbrannt, zwei Schulen mit der gesamten Einrichtung zerstört, und das Feuerwehrdepot ausgebrannt. Vier städtische Wohnhäuser, in denen 19 Familien gelebt hätten seien völlig verbrannt. Die Stadt Creuzburg hatte ihre historische Altstadt mit den Gasthöfen, den Renaissancegebäuden und vielem Fachwerk völlig verloren, die Menschen standen vor einer Katastrophe.

Hinzu kamen mindestens zehn gefallene deutsche Soldaten, von denen acht am 2. April auf dem städtischen Friedhof in einem Massengrab beigesetzt wurden. 1950 wurden zwei weitere Soldaten, die in der Flur am Brückenberg Gräber erhalten hatten, auf den Friedhof umgebettet. Inzwischen liegen die Gefallenen in einem neugestalteten Ehrenhain am Eingang des Friedhofes. Bei dieser Exhumierung konnten insgesamt sieben Namen ermittelt werden, die heute auf den Grabkreuzen zu lesen sind.

Diese Katastrophe von Ostern 1945, genau vor 80 Jahren, die bis zum 4. April ihre Fortsetzung in den Kämpfen um Mihla fand, darf nicht vergessen und muss immer wieder in Erinnerung gebracht werden.


Das historische Zntrum Creuzburgs, hier eine Aufnahme aus dem Herbst 1944, ging am 1. April 1945 unter.

Was blieb sind nur die Erinnerungen und einige Fotos.


Blick von der Landstraße nach Eisenach zur Liboriuskapelle rechts und der damaligen Wohnbebauung am Brückenkopf, Herbst 1944.


Unteres Bild: Blick auf den Plan, um 1920,

Fotos Sammlung Autor.

 Rainer Lämmerhirt
-Bürgermeister-

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