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Tod als „Militärinternierte“ in Buchenau

Auf dem Creuzburger Friedhof befindet sich ein Grab für italienische Staatsangehörige, die während des 2. Weltkrieges hier beigesetzt wurden.

Seit vielen Jahren wird der Volkstrauertag genutzt, um an ihrem Gemeinschaftsgrab Blumen und Kränze niederzulegen.

Auf dem Grabstein ist zu lesen, dass die Italiener „gefallen“ sein. Dies ist irreführend. Um die genaueren Umstände ihres Todes in Erfahrung zu bringen, hatte ich Ende letzten Jahres hierzu die Bitte um Hinweise formuliert.

Tatsächlich meldete sich Frau Lind aus Creuzburg, die lange Zeit für das Standesamt der Stadt verantwortlich war.

Ihre Hinweise führten bald zum Friedhofbuch der Stadt. Zumindest sind jetzt weitere Zusammenhänge klar und verständlich geworden, aber in der Erforschung noch nicht abgeschlossen. Vielen Dank an Frau Lind!

Zum historischen Hintergrund:

Im Juli 1943 wurde der faschistische Diktator Italiens und Verbündete Hitlers Benito Mussolini durch die eigene Armeeführung gestürzt. Am 8. September 1943 schloss die neue italienische Regierung unter Marschall Badoglio einen Waffenstillstand mit den Westalliierten.

Daraufhin besetzte die deutsche Wehrmacht das Land, entwaffnete die italienischen Streitkräfte, dort, wo es ihnen möglich war.

Etwa 600 000 italienische Soldaten wurden schließlich zur Zwangsarbeit ins Reich deportiert.

Als „Militärinternierten“ wurde ihnen der für Kriegsgefangene geltende internationale Schutz verweigert. Häufig waren sie Beschimpfungen und Angriffen der deutschen Zivilbevölkerung ausgesetzt, die sie unter Wirkung der Goebbelspropaganda als Verräter und Mitschuldige an der militärischen Lage sahen. Aber auch in den Arbeitslagern waren sie ständig solchen Angriffen ausgesetzt.

Rund 40 000 Italienische Militärinternierte (IMI) kamen während der Gefangenschaft durch Gewalt, Hunger und Kälte und Arbeitsunfälle ums Leben.

Im Herbst 1944 wurden die italienischen Soldaten, bis Januar 1945 auch die Offiziere, in den Zivilstatus überführt, um sie als „zivile“ Zwangsarbeiter effektiver in der Rüstungsindustrie einsetzen zu können.

Nun schließt sich der Kreis für die Toten auf dem Creuzburger Friedhof. Nach den Hinweisen im Friedhofbuch sind drei dieser Zwangsarbeiter Ende 1944 in Buchenau verstorben und auf dem Creuzburger Friedhof beigesetzt worden. Genauere Todesumstände sind nicht bekannt. Ais Berichten von Zeitzeugen muss man davon ausgehen, dass die Italiener im Sodawerk und dort vermutlich im Steinbruch eingesetzt wurden. Lange Zeit war umstritten, ob es ein solches Lager in Buchenau gegeben habe. Nach dem Kriege wurde darüber vor dem Hintergrund der Einordnung der damaligen Solvay-Werke in die Liste der Betriebe, die an Kriegsverbrechen beteiligt waren, offiziell gestritten. Wenn diese Diskussion auch nicht abgeschlossen wurde, die italienischen Toten auf dem Creuzburger Friedhof verweisen zumindest in die Richtung, dass in Buchenau Kriegsgefangene zum Arbeitseinsatz gebracht wurden.

Frau Lind konnte weitere Hinweise geben.

Schon kurz nach dem Kriege trat die italienische Botschaft mit der Stadt Creuzburg in Verbindung. Drei Italiener waren bestattet worden und zumindest von einem der Toten gab es Angehörige aus Südtirol. So erfolgte 1952 die Umbettung eines der Toten nach Bozen. Gleichzeitig übernahm die Italienische Republik die Aufstellung des Grabsteines, der noch heute an Ort und Stelle zu finden ist.

Im Grab auf dem Creuzburger Friedhof blieben zwei bislang unbekannte Angehörige der früheren italienischen Armee zurück.

Das Grab wird heute von der Stadt gepflegt und am Volkstrauertag finden auch dort Kranzniederlegungen statt.

Weitere Hinweise werden gern entgegengenommen!

-Stadt Amt Creuzburg-

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