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Graues-Schloss

Das Graue Schloss entstand aus einer Wasserburg der „Herren von Mihla“, die seit der Mitte des 13. Jahrhunderts als Nebenlinie der Truchsesse von Schlotheim in Mihla Herrschaft ausübten (1367 urkundlich erwähnt). Diese Wasserburg lag im Mündungsbereich der Lauter in die Werra.

1436 kauften sieben Brüder und Vettern aus der Familie von Harstall das Dorf Mihla und die Kemenate. Bis 1945 saßen die Harstalls dann im Ort und errichteten im Jahre 1581 auch das Rote Schloss sowie mehrere Vorwerke in der Region.

Die Brüder Hans und Ernst von Harstall schlossen sich offenbar schon sehr früh der lutherischen Religion an. Zweifelsohne handelten sie aus Grundschlauheit, aus einem sicheren Gespür für mögliche materielle Zugewinne.

Die Entscheidung für den neuen Glauben Luthers brachte der Familie in der Folge positive Früchte ein. Umfangreiche Kirchenrechte und Einkünfte, so das Brauereirecht und die Verfügung über Einnahmen, fielen an die Harstalls, die als Patronatsherren auch das entscheidende Wort hinsichtlich der Einstellung des Pfarrers und des Umgangs mit der Kirchenausstattung sprachen.

Wenn die Reformation zunächst in Mihla und der Herrschaft der Harstalls im Ort wenig sichtbare Veränderungen hervorrief, die gerade den durch den Anstoß des neuen Glaubens entstehenden Drang vieler Menschen auch nach weltlichen Veränderungen konnten Hans und Ernst von Harstall allerdings nicht verhindern. So standen sie dem Übergreifen des bereits im Jahre 1524 in Süddeutschland entflammten Bauernkrieges auch auf das Werratal machtlos gegenüber. Ehe es sich die verschiedenen Adelsfamilien versahen, waren Georg und Wilhelm von Hopffgarten auf Haineck zu Nazza, die von Creuzburg in Bischofroda und Berka und Ernst von Harstall in Mihla derart in die Enge getrieben, dass es entweder das Versprechen eines Bündnisses mit den Aufständischen gab, unter denen sich besonders der Pfarrer Lips König aus Falken hervortat, oder aber man flüchtete sich auf den Amtssitz der Creuzburg. Dort, so eine Überlieferung, mussten die Adligen von den Mauern der alten Burg geschützt, zuschauen, wie ihre Bauern zum Werrahaufen des Hansen Sippel aufbrachen, der sich anschickte, die Stadt Eisenach zu belagern. Andere hielten es gleich mit dem Mühlhäuser Prediger Thomas Müntzer und seinem Mitstreiter Heinrich Pfeiffer. Diese Bauern zogen über die benachbarten Eichsfelddörfer nach Mühlhausen und schlossen sich dem dortigen Aufgebot an.

Am 15. Mai 1525 wurde das Bauernheer des Thomas Müntzer vernichtend bei Frankenhausen am Kyffhäuser geschlagen. Tausende Bauern fanden den Tod, auch Müntzer wurde gefangen genommen und wenig später vor den Toren der Reichsstadt Mühlhausen, die ihr Überlaufen auf die Seite der Bauern teuer bezahlen musste, geköpft. Nun kam die Stunde des Landadels, Nach den Brandschatzungen (sprich Plünderungen) der durchziehenden Fürstentruppen wurden bei aktiver Mitwirkung der adligen Familien so genannte Strafgeldregister aufgestellt. Schon am 16. Mai, einem Tag nach der Niederlage bei Frankenhausen, mussten die Bauern des Nachbarortes Frankenroda eine solche Strafgeldforderung hinnehmen.

Schon am 1. Juni wurden den Schultheißen der Dörfer aus dem Werragebiet in Behringen am Stammsitz der Herren von Wangenheim das Urteil verkündet: In drei Fristen, die erste schon nach zehn Tagen (am 11. Juni 1525 zu Trinitatis) mussten die 100 im Strafgeldregister festgelegten Dörfer und Höfe insgesamt 17. 634 Florentiner an die Herren zahlen. Hinzu kamen 540 Stück Rindvieh, die abzugeben waren. Die Untertanen des Ernst von Harstall hatten 300 Gulden zu zahlen. 760 Gulden mussten die Männer der Herren Georg und Wilhelm von Hopffgarten (Mihlas Nachbarorte Nazza, Lauterbach, Hallungen, Ebenshausen, Frankenroda und Neukirchen) aufbringen.

Mit ihrem Anteil an den Strafgeldzahlungen, allein von Mihla wurden „300 Gulden…von  Ernsten von Horstais Menner … .“ gefordert, Frankenroda musste 30 Gulden und 5 Kühe, Ebenshausen die gleiche Menge, Scherbda 40 Gulden und 8 Kühe, Lauterbach 30 Gulden und Bischofroda 150 Gulden zahlen, und weiteren uns nicht bekannten Zahlungen wegen des erlittenen „Ungemachs“ gelang den meisten der Landadligen in den nächsten Jahren eine wirtschaftliche Konsolidierung. Dies gilt im erheblichen Maße für Ernst von Harstall und seine Söhne Georg und Christoph, die zudem ihre Positionen in der Landesverwaltung ausnutzen konnten, um mit den nun stattfindenden Visitationen Einfluss auf die Güter und Besitzungen der katholischen Kirche zu erlangen. Christoph von Harstall leitete als Amtmann der Landesherren auf der Wartburg die Durchführung der großen Visitation des Jahres 1533. Georg von Harstall trat in den Dienst des Kurfürsten Johann von Sachsen, den er im Jahre 1529, wohl als kurfürstlicher Rat, auf den Reichstag zu Speyer begleitete. Später war er Amtmann auf der Creuzburg und Kommandeur auf dem Gothaer Grimmenstein.

Seit 1536 erfolgte der Umbau der alten Mihlaer Wasserburg zum Renaissanceschloss. Das eigentliche Herrenhaus wurde bis auf die obere Etage aus Sandstein errichtet, wobei ältere Mauern und Kelleranlagen Verwendung fanden. Der viereckige Ostturm könnte auch aus der Burgenzeit stammen. Der Baukörper erhielt als Dachabschluss an der Nord- und Südseite jeweils drei, an der West- und Ostseite je einen aus Fachwerk ausgeführten Giebelerker, die früher sicher verziert waren. Über einen vorgesetzten Fachwerktreppenturm sind noch heute die einzelnen Etagen zu erreichen.

Im Westteil des Gebäudes schloss sich ein Seitenflügel, das sogenannte „Weiße Schloss“ an, das allerdings im Jahre 1837 abgebrochen wurde. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Teil des Schlossparks mit verschiedenen Denkmälern aus der Geschichte der Anlage.

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Graues Schloss

Aus den Grundmauern der alten Wasserburg entstanden damals die Gebäude des heutigen Grauen Schlosses. Mit den prägenden acht Erkern, die aus Fachwerk auf die festen und starken Steinmauern der alten Burg aufgesetzt wurden und dem außen angebauten Treppenturm wurde ein repräsentatives Schlossgebäude geschaffen, dass jedem Besucher deutlich machte, welchen Machtanspruch die Familie inzwischen geltend machen konnte. Vermutlich steht der Neubau des Roten Schlosses, Bauabschluss im Jahre 1581, das von Hans David von Harstall, dem Bruder des Herren im Grauen Schloss auf den noch vorhandenen baulichen Resten eines mittelalterlichen Wirtschaftshofes des Erzbistums Mainz errichtet wurde, ebenfalls im Zusammenhang mit den materiellen und politischen Machtzugewinn, den die Familie durch die Reformation und den Bauernkrieg erlangen konnte.

Die Widerstandskraft der bäuerlichen Untertanen war entscheidend gebrochen und mit dem erneut erreichten Einfluss der Landadelsfamilien auf die Besetzung der Pfarr- und schon bald auch der Lehrerstellen trug auch die Reformation einen Anteil am Machtausbau des Landadels in Westthüringen.

Text und Bilder: Rainer Lämmerhirt

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