Manchmal gibt es Zufälle. Ein solcher geschah, als Herr Matthias Wuth aus Treffurt mich aufsuchte.
Er hatte eine Diasammlung dabei, die es in sich hatte. Als historisch sehr interessierter Mensch hatten er und sein Vater diese Diasammlung einst erworben. Die Dias zeigten mit über 100 Einzelbildern für mich sensationelle Aufnahmen: Eine Floßfahrt in den 20er Jahren auf der Werra.
Sofort wurde der Gedanke geboren, aus diesen uralten schwarz-weiß Dias etwas zu machen. So entsteht nun eine Serie in unserer Heimatzeitung, der richtige Ort dafür, wie Matthias Wuth ebenso empfand. So konnte auch der Wunsch seines unlängst verstorbenen Vaters erfüllt werden. Gesagt, getan. Aber Halt!
Nach dem ersten Betrachten der Bilder war klar, dass diese in über 100 Jahren sehr gelitten hatten. Und es waren Dias, diese mussten also zunächst digitalisiert werden. Dafür fand ich sofort die nötige Hilfe durch Herrn Uwe Lüttge aus Mihla, dem ich, auch im Namen von Herrn Wuth herzlich danke!
Nicht nur das Digitalisieren der Dias besorgte er. Auch eine äußerst aufwendige Bearbeitung erfolgte durch ihn, um die beste und vor allem die richtige Beleuchtung, Saubereit und Schärfe der einzelnen Aufnahmen zu erzielen. Nun ist es gelungen und wir wollen diese einzigartigen Aufnahmen aus der Hohezeit der Werraflößerei in mehreren Artikeln veröffentlichen.
Einiges zur Werraflößerei insgesamt: Deren Ursprünge reichen weit zurück. Der Waldreichtum des Thüringer Waldes führte dazu, seit dem 16. Jahrhundert vor allem Langholflöße zu binden und auf den Weg bis zur Weser und manchmal bis zu den großen Hafenstädten an der Nordsee, also bis nach Bremen, zu flößen.
Bauholz war damals sehr gefragt, aber auch ein wichtiges Handelsprodukt für die großen Häfen, die nie genug Holz verschiffen konnten. Natürlich waren auch die Werften daran interessiert.
Die Flöße dienten vorrangig dem Holztransport, transportierten aber häufig auch andere Handelswaren mit sich, Keramik, Webereiprodukte oder gar Lebensmittel, die zum Verkauf unterwegs bestimmt waren. Meist ein kleiner Nebenverdienst der Flößer, aber auch für die Anlegepunkte unterwegs interessant, denn damals blühte ein regelrechter Handel.
Vom Oberlauf der Werra wurde das Holz mit kleineren Flößen oder auch durch Pferdegespanne zum Hauptfloßplatz nach Wernshausen gebracht. Dort wurden die Flöße, die meist eine Größe von 18-20 m Länge und ca. 3,5 m Breite, aufwiesen, gebunden. Ausreichend Mannschaften zur Bemannung standen in den Gebieten mit wenig Industrie in großer Zahl zur Verfügung.
Es war aber ein harter Job, das Leben auf den Flößen. Der Verdienst war gering, die körperliche Anstrengung sehr hoch und nach erfolgreicher Fahrt ging es früher zu Fuß und später mit der Eisenbahn nach Wernshausen zurück; die nächste Fahrt stand an.
Die Blütezeit der Werraflößerei lag nach alten Berichten in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Saison ging von März, also gleich nach dem Frühjahrshochwasser, bis Ende Oktober, Anfang November. Nach alten Berichten waren in diesen Jahren über 2.000 Flöße unterwegs.
Brechen wir nun auf in die Zeit der Werraflößerei vor über 100 Jahren und wir beginnen natürlich beim Hauptfloßplatz in Wernshausen.

Der Floßplatz in Wernshausen. Drei Langholzflöße werden gebunden. Häufig wurden gleich mehrere dieser Flöße zu einem großen Floßkonvoi vereint.

Das Einbinden: In der Mitte der Floßmeister, alle Flößer in ihrer Festtagstracht.

Nochmals Wernshausen. Das Bild trägt den Titel „letzte Vorbereitungen“. Bald geht es los. Unterwegs warten viele Wehre und Mühlen auf die Flößer.
– Ortschronist Rainer Lämmerhirt –
