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Die Fahrt des Sonderzuges zur Eröffnung der Eisenbahnlinie Eisenach-Creuzburg-Mihla-Treffurt im Oktober 1907

Wir hatten unlängst über die Feierlichkeiten bei der Eröffnung der Eisenbahnlinie im Creuzburger Rathaus berichtet. Heute gehen wir noch um einige Stunden zurück. Im Mittelpunkt steht die Fahrt des Sonderzuges, im ersten Teil von Eisenach bis Mihla.

Also, zurück zum Oktober 1907, die feierliche Eröffnung der Strecke stand bevor… Alle Menschen im Werratalsind freudig erregt und doch ungewiss, über das, was kommt…

Pünktlich um 10.12 Uhr setzte sich der exklusive Festzug mit geschmückten Sonderwagen von Eisenach aus in Bewegung. Der Zug bestand aus einem Salonwagen der Eisenbahndirektion, zwei Wagen 2. Klasse und sechs Wagen 3. Klasse. Unklar ist, welcher Maschinentyp den Zug voranbrachte. Die erhaltenen Fotos, für die der Eisenacher Fotograf Hermann verantwortlich war, zeigen zwar ganz genau fotografierte Aufnahmen über das Geschehen auf den einzelnen Bahnhöfen, jedoch nie den Zug als solchen.

Der Sonderzug, mit an Bord die Bürgermeister Zimmer und Baumbach, durchfuhr also die Stationen Eisenach-West und Hörschel und machte dann den ersten Halt auf der neuen Station Wartha. Hier begrüßte Bürgermeister Altenbrunn den Festzug mit Worten des Dankes an die Erbauer und gab der Hoffnung Ausdruck, „…die neue Bahn möge dem Land zum Segen gereichen…“.

An der nächsten Haltestelle Pferdsdorf, erwarteten die Mitglieder des dortigen Kriegervereins mit Fahne, die Schuljugend und einige „Ehrenjungfrauen“ die erste Fahrt der Werrataleisenbahn. Die Ansprache hielt Pfarrer Hartenstein.

Die Empfangsfeierlichkeiten steigerten sich nun weiter von Ort zu Ort. In Creuzburg erwartete eine Hunderte von Menschen zählende Menge den Zug. Sämtliche Vereine der Stadt mit Fahnen, die Schüler mit ihren Lehrern und wiederum „Ehrenjungfrauen“ bildeten am Bahnhof ein Spalier für die Ehrengäste. Ein Musikkorps intonierte beim Einlaufen des Zuges „Heil Dir im Siegerkranz“ und die Creuzburger „Liedertafel“ begrüßte die Ankommenden mit einem „Festgesang“. Bürgermeister Zimmer hielt eine Ansprache. Unter Jubel, Hurrarufen und Musik verließ der Festzug, inzwischen schon mit erheblicher Verspätung gegenüber dem zentral festgelegten Zeitplan, den Bahnhof Creuzburg und machte sich auf den gut acht Kilometer langen Weg bis zum nächsten Halt in Mihla.

Abermals begrüßten in Mihla wohl alle Einwohner, die den langen Weg bis zum Bahnhof in Angriff nehmen konnten, den lang erwarteten Zug. Gesang und Musik erklangen, sämtliche Vereine waren aufmarschiert, auch in Mihla gab es Ehrenjungfrauen und, da gerade Kirmes abgehalten wurde, Kirmesburschen in den traditionellen Husaren- und Ulanenuniformen!

 

Der Sonderzug hat gegen 11.00 Uhr Creuzburg erreicht. Der Eisenacher Fotograf Hermann fotografierte die Begrüßungsszenen vom Dach des Salonwagens aus. 

In seiner Begrüßungsansprache entbot Pfarrer Kötschau den Gruß und den Dank der Gemeinde. Welche Arbeit der Bahnbau gekostet habe, wüsste die Gemeinde am besten, denn gerade Mihla hätte recht regen Anteil genommen an der Verwirklichung des Planes, meinte jedenfalls Pfarrer Kötschau. Daher begrüße er mit besonderer Freude die Vorteile für die Förderung der Kultur des Landes durch die neue Bahnlinie. Er hoffe, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Ortes in der erwarteten Weise verbessern mögen. Mit Dankesworten für das Wohlwollen der Staatsregierung verband der Redner ein „…begeistert aufgenommenes Hoch auf den deutschen Kaiser und auf den Großherzog“.

Die Musikkapelle stimmte die Kaiserhymne an und in bewegten Worten gab der Geheimrat Slevogt als Vertreter der Staatsregierung seiner Freude über den freundlichen Empfang Ausdruck. Er wünschte der Gemeinde Mihla Glück zu dem neuen Verkehrsmittel.

In Mihla ist beinahe das gesamte Dorf zur Eröffnung des Zugverkehrs zum Bahnhof geeilt. Zudem ist in dem Werraort gerade Kirmes. Deshalb werden die Gäste von einer Abordnung der berittenen Kirmesburschenschar mit Husaren und Platzmeistern begrüßt.

In anerkennender Weise hatte die Gemeinde durch den Einsatz ihres Bürgermeisters Baumbach für das leibliche Wohl der Festteilnehmer gesorgt, denn sie entbot als besondere Ehrengabe allen Teilnehmern ein pikantes Frühstück mit einem vorzüglichen Tropfen Rebensaft, wie der Reporter der „Eisenacher Tagespost“ anerkennend lobte. Diesem wurde dann auch reichlich zugesprochen, wodurch der Fahrplan endgültig zusammenbrach. Bis nach Treffurt und dann zurück zur Creuzburger Festtafel war es noch ein langer Weg!

-Ortschronist Mihla, Fortsetzung folgt-

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