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Die Fahrt des Sonderzuges zur Eröffnung der Bahnstrecke Eisenach-Creuzburg-Mihla-Treffurt im Jahre 1907

-Schluss-

Zuletzt hatten wir über den Empfang des Zuges in Mihla berichtet. Hier waren besonders viele Menschen am Bahnhof, da der Ort gerade das Kirmesfestfeierte. Husaren und Platzmeister zu Pferde waren damals auch dabei…

Gegen 12.00 Uhr verließ der Sonderzug schließlich Mihla und überfuhr die Werrabrücke, wo abermals viele Menschen das Schauspiel beobachteten. Entlang der Werra ging es nun weiter zum Haltepunkt bei Frankenroda.

In Frankenroda gab es eine erste Besonderheit. Dieser Ort gehörte zum Herzogtum Gotha und daher war extra der Staatsminister Richter herbeigeeilt,

um die Honoratioren zu begrüßen.

Die eigentliche Begrüßungsrede hielt allerdings der Frankenrodaer Bürgermeister August Hagedorn. Gerade diese Rede wurde später von der Presse immer wieder zitiert und beeindruckte alle Anwesenden, weil in einfachen Worten die unterschiedlichen Gefühle, Hoffnungen und Befürchtungen der Dorfbewohner zum nunmehr erfolgten Bahnanschluss dargestellt wurden. Bürgermeister Hagedorn führte u.a. aus:

„Nur zwei Worte sind´s: Dank und Freude. Jahrhunderte hindurch hat unser Ort weltvergessen und weltverlassen in seinem stillen Tale zwischen Berg und Wald gesteckt. Seine Bewohner haben oftmals neidisch hingeblickt auf andere Gegenden, die dicht mit Eisenbahnen besät sind…, wir haben auch manchmal tüchtig geschimpft auf den preußischen Staat, der uns keine Eisenbahn baute.

Das Dampfross kommt und windet sich im lang gestreckten Tale, den Werrafluss auf vielen stolzen Brücken überspringend, durch anmutige Fluren und ladet uns ein, mitzufahren in die weite Welt.

Was sollte es da wohl anders sein, als Dank und Freude, was heute unsere Herzen empfinden?“

Ein weiterer Höhepunkt wurde erreicht, als ein junges Mädchen in Frankenrodaer Tracht vortrat und ein selbst gefertigtes Gedicht vortrug:

„Ich bin ein Kind aus diesem stillen Ort,

komm gar nicht aus dem Elternhaus fort,

Konnt´ deshalb keinen Mann für mich hier finden,

wer sucht auch eine Frau bei uns dahinten?

Nun aber kommt die liebe Eisenbahn,

da fahr ich mit und such mir einen Mann!

Hurra, die Freud´, wie tut mich das beglücken,

drum will ich auch das Dampfroß schmücken!“

Bei diesen Worten wollte der offensichtlich gerührte Geheimrat Slevogt den Salonwagen verlassen und auf das Mädchen zueilen. Dies wurde ihm aber unmöglich, da die letzten Worte des Mädchens, das Dampfross zu schmücken, als Zeichen verabredet war, den Zug mit einem Hagel von Blumensträußen zu bewerfen und festlich zu verschönern….

Nach diesen Ereignissen ging die Fahrt weiter durch das Werratal bis nach Falken Hier wurde der Festzug von Vertretern der preußischen Regierung begrüßt, denn nun hatte man die Exklave des Herzogtums Gotha bereits wieder verlassen und preußisches Staatsgebiet erreicht. In den Festreden kam zum Ausdruck, dass die neue Eisenbahnlinie die drei Länder Weimar, Gotha und Preußen auch zukünftig noch fester miteinander verbinden möge!

Ein letzter Höhepunkt wurde in Treffurt, dem Endbahnhof der Strecke und dem Anschlusspunkt für die Bahn nach Eschwege, erreicht. Hier war der Empfang besonders herzlich. Bürgermeister Bernhard erwähnt in seiner Rede die Tatsache, dass Treffurt bis vor wenigen Jahren überhaupt noch keine Bahn gesehen habe, heute aber kreuzten sich im Ort zwei für die Zukunft wichtige Linien. Eisenbahndirektor Todt aus Erfurt erwiderte, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis Treffurt eine dritte Bahn, die nach Mühlhausen, erhalten werde.

Die Vertreter der preußischen Staatsregierung begrüßen den Festzug bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof Falken.

 

Der Sonderzug erreicht den Bahnhof Creuzburg.

 Von Treffurt aus erfolgte die Rückfahrt nach Creuzburg. Auch in Creuzburg war das neue Bahnhofsgebäude festlich geschmückt. In „geschlossenem“ Zuge ging es vom Bahnhof, begleitet von zwei Musikkorps, durch die Stadt bis zum Marktplatz. Im dortigen Rathaus war die eigentliche Festveranstaltung mit anschließendem Festessen vorbereitet. Während es sich die Honoratioren im Rathaussaal gut gehen ließen (wir berichteten) zog auf dem Rathausplatz Volksfeststimmung ein. Hier vergnügten sich auch zahlreiche Bauarbeiter, die eigentlichen Helden des Bahnbaus, die man mit einigen Fässern Bier abgefunden hatte.

Die Musikkapellen im Festsaal intonierten Eröffnungsmärsche und bekannte Volkslieder, natürlich fehlte auch die Kaiserhymne nicht, ehe dann das von zahlreichen Toasts und Grußworten unterbrochene Programm mit einem Stück aus „Hoffmanns Erzählungen“ seinen Abschluss fand.

Von den Grußworten rückte die Presse u.a. die Ansprache des Mihlaer Rittergutsbesitzers und Nervenarztes, Hofrat Professor Binswanger, in den Mittelpunkt. Er hatte das Glas auf den Bauleiter, den Bauinspektor Bergmann, erhoben. Bürgermeister Hagedorn, seit seiner Frankenrodaer Begrüßungsrede in aller Munde, fand nochmals Dankesworte für die Gothaer Staatsregierung…

Erst am späten Abend verließ der Sonderzug mit der Festgesellschaft Creuzburg, um nach Eisenach zurückzufahren. Die Bewohner der Werraorte feierten indessen noch lange weiter und hatten wohl die Hoffnung, dass es mit der am nächsten Tag beginnenden Betriebseröffnung und dem nun hoffentlich alsbald auf der Stecke einziehenden Alltag mit der Werratalregion rasch aufwärts gehen würde…

Rainer Lämmerhirt

 

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