Das alte Eschenborn soll wird wiederbelebt

In Creuzburg ist der Flurname Eschenborn noch gut bekannt. Die älteren Einwohner erinnern sich noch an die frühere Kleinsiedlung hoch über dem Werratal. Die jüngeren Menschen der Region kennen Eschenborn vielleicht von Wanderungen und Ausflügen. Eschenborn ist entweder von Ebenau aus oder von Scherbda, aber auch über den neuen Top-Wanderweg über den Wisch gut zu Fuß zu erreichen. Alle Wanderwege sind bestens ausgeschildert.

Es ist schon ein magischer Moment, wenn man auf den einstigen Siedlungsplatz steht. Die eingeebnete Fläche, bis noch vor 60 Jahren Standort mehrerer Gebäude, lässt seine Geschichte erahnen. Bringt man dann noch einige historische Bilder mit ins Spiel, wird es alles sehr spannend.

So ist es mir auch ergangen, als ich vor einigen Tagen im Schnee einmal wieder an diesen magischen Platz kam. Eingeladen hatte mich Revierförster Born. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin und seinen Hunden erkundeten wir das frühere Forsthaus.

 

Seit einiger Zeit bemüht sich Förster Born darum, dem wunderschön gelegenen Platz wieder mehr Leben einzuhauchen. Dabei wird er vom Forstamt „Hainich-Werratal“, dem Besitzer des Reviers, unterstützt. Neben der Sanierung der Forsthütte, die in etwa auf den Mauerresten des alten Forsthauses steht, ging es zuletzt darum, die Wasserzufuhr wiederherzustellen. Die uralte Zisterne, schön gemauert, führt seit geraumer Zeit kein Wasser mehr. Vermutlich haben die wasserführenden Schichten verändert, vermutet Förster Born. Ursprünglich hatte er vor, die alte Wasserleitung von der Zisterne zum jetzigen kleinen Jagdhäuschen neu zu verlegen, aber Wasser kam trotzdem nicht an. Die Zisterne ist tatsächlich trockengefallen.

Mit Hilfe älterer Einwohner aus Creuzburg fand Förster Born in über 300 Metern Entfernung dann einen ebenfalls recht alten Quellbrunnen, der tatsächlich noch sprudelte. Vermutlich war er namensgebend für die Kleinsiedlung, eben Eschen am Born.

In mühevoller Arbeit verlegte dann der Förster eine Wasserleitung von der Quelle über die Zisterne und es gelang, dass der Brunnen vor dem Jagdhäuschen wieder Wasser lieferte, so wie sicher viele Jahrhunderte bereits. Sogar der alte Brunnentrog aus gehauenem Stein ist noch vorhanden und auch der aus einem Holzstamm geschnitzte Brunneneinlauf.

Spätestens an dieser Stelle sollte man sich an die wenigen Kenntnisse über die Geschichte von Eschenborn informieren.


Blick über Eschenborn hinein ins Werratal. Gut zu sehen die Ebenauer Eisenbahnbrücke. Das Foto entstand also lange nach 1907, der Eröffnung der Strecke. Ein großer Teil der früheren Nebengebäude in Eschenborn steht schon nicht mehr.

Historischen Fotos Gunther Born. 

Aus dem Jahre 1758 ist bekannt, dass Johann Reinhard, Landwirt und Leineweber aus Ifta das Gut Eschenborn vom Magistrat in Creuzburg pachtete und wenig später sogar kaufen konnte. So wurde es zum Familiengut der Reinhards. Sein Sohn Karl bewirtschaftete es nach ihm.

1879 bestand Eschenborn immerhin aus einem herrschaftlichen Wohnhaus, einem Knechthaus und mehreren Ställen und Scheunen, ein kleines Dorf mit immerhin 14 Einwohnern.

Politisch kam die Siedlung nach einer Gebietsreform gemeinsam mit Ebenau, Buchenau, Mihlberg und Hahnroda zu Beginn der Weimarer Republik, 1922, an die Stadt Creuzburg.

Damit wurde die Zugehörigkeit von Eschenborn zum früheren Kernort der Region, Ebenau, aufgehoben. Inzwischen saß in Eschenborn der zuständige Förster für das gesamte Gebiet, ein Forsthaus.

Die neue Verwaltungsstruktur hielt nicht lange. 1925 wurde diese in Teilen rückgängig gemacht und die Gemeinde Buchenau zu einer eigenständigen Gemeinde mit den Ortsteilen Ebenau, Eschenborn, Mihlberg und Hahnroda aufgewertet. Hintergrund dieser Entscheidung dürfte auch die inzwischen in Buchnau begonnene Sodafabrikation gewesen sein.

Im April 1945 flüchteten viele Creuzburger vor den heranrückenden US-Soldaten auf den Eschenborn und mussten von dort miterleben, wie ihre Stadt sinnloser Weise in den letzten Kriegstagen zerstört wurde.

Diese Gebietsstruktur hatte bis 1962 Bestand, als Ebenau, Eschenborn und Mihlberg erneut nach Creuzburg eingemeindet wurden. Wenige Monate später wurden die Kleinsiedlungen Eschenborn und Mihlberg im Zuge der verschärften DDR-Grenzsicherung unter der „Aktion Kornblume“ geräumt und die Häuser bis 1964 abgebrochen.

Dadurch wurde ein so alter Siedlungsplatz zerstört.

Heute steht dort das kleine Jagdhäuschen des Forstamtes, gibt es mehrere Sitzgruppen für die Wanderer, einen Pavillon und nun wieder der sprudelnde Brunnen mit sicher ganz klarem Quellwasser.

Die Wiederbelebung von Eschenborn soll weitergehen, so Förster Born. Er sucht dazu Mitstreiter, die auch bereit sind, einmal Hand anzulegen. Wer dafür Interesse zeigt, kann sich gern melden. Natürlich hofft der Förster auch auf Unterstützung des Naturparkes, der schon einiges in Eschenborn auf den Weg gebracht hat.

Als nächstes ist geplant, die bisher nur provisorisch verlegte Wasserleitung frostsicher zu verlegen und auch den Brunnen mit seinem historischen Einlauf wieder zu gestalten. Aber sicher gibt es noch weitere Vorhaben um das alte Eschenborn wieder mit neuem Leben auszustatten.

Die Stadt Amt Creuzburg wäre hierzu auch gern bereit!

 

Rainer Lämmerhirt

-Bürgermeister-

 

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