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August Kuhlmann, der Name sollte nicht vergessen werden

Ich hatte berichtet, dass Frau Barbara Kuhlmann als Urenkelin der Mihlaer Adelsfamilie von Harstall von Seiten ihres Vaters Armin Kuhlmann auf eine ganz außerordentliche Familiengeschichte zurückblicken kann. Ihr Großvater August Kuhlmann wird heute noch in Namibia von den Ureinwohnern, den Hereros verehrt.

Darüber hat Frau Kuhlmann mir gegenüber nie ausführlich gesprochen, erst durch einen Zufall in der Beschäftigung mit den großen Aufständen der Hereros und der Namas zur Zeit des Kaiserreiches bin ich auf diese Verbindung gestoßen. Marc Engelhardt hat sich im Jahre 2016 intensiv mit der Geschichte dieses außergewöhnlichen Mannes beschäftigt und beim nächsten Besuch von Barbara Kuhlmann in Mihla wird dieses Thema auch im Mittelpunkt unserer Gespräche stehen.

Wer war nun dieser August Kuhlmann?

Geboren wurde er am Weihnachtstag des Jahres 1871, im Jahr der Gründung des Deutschen Kaiserreiches, in Westfalen, in der kleinen Stadt Enger als eines Steinmetzes.

Als Kind und Jugendlicher erlebt er den Aufbruch der beginnenden Kolonialzeit und des Wunsches nach Mission der in Afrika entdeckten unzähligen „Heiden“. „Ein Kind seiner Zeit…“, wie Barbara Kuhlmann später sagt.


August Karl Heinrich Kuhlmann (1871-1945) als junger Missionar.

Seine religiöse Motivation scheint ihm von der strenggläubigen Mutter in die Wiege gelegt zu sein.

Nach der Lehre als Schumacher ging er nach Berlin und wurde bald aktives Mitglied in religiös geprägten Jugendgruppen. Bald reifte der Entschluss, als Missionar nach Afrika zu gehen, in die dort inzwischen begründeten deutschen Kolonien.

Nach einer sechsjährigen Ausbildung in den Reihen der besonders in Deutsch-Südwest- Afrika wirkenden „Rheinischen Mission“ entsandte diese ihn 1898 ins Land der Herero, des größten einheimischen Volksstammes.

1899 begründete August Kuhlmann die Missionsstation von Okazeva.

Erste Missionarsaufgaben führten ihn in die Wüste Kalahari.

In Otjimbingue heiratete er die Missionarstochter Johanna Braches (*1874), die bereits 1901, elf Tage nach der Geburt von Zwillingen im Kindbettfieber starb. Mit Hilfe befreundeter Missionare konnte August Kuhlmann die beiden Söhne aufziehen.

1903 ging er eine zweite Ehe mit Elisabeth Dannert (1878-1965) ein, ebenfalls ein Kind einer Missionarsfamilie. Mit ihr kehrte er bald in seine Missionsstation nach Okazeva zurück.

In dieser Frau, in Südwest geboren und fließend die Herero- Sprache sprechend, hatte er eine treue Wegbegleiterin an seiner Seite, die ihm insgesamt neun Kinder schenkte. Als letzter Sohn wurde Armin Kuhlmann geboren, der Vater von Barbara Kuhlmann.

Dies wären sicher schon ausreichend Spuren eines bemerkenswerten Lebens, aber:

Im Frühjahr 1904 erhoben sich auch die Herero in seiner Mission gegen die deutsche Kolonialherrschaft.

August Kuhlmann verstand sich als Seelsorger seiner Gemeinde und zog trotz aller Risiken mit seiner Frau und den kleinen Kindern mit „seinen“ Hereros ins Feld. In sieben entbehrungsreichen Kriegswochen erlebte er die furchtbaren Wirkungen des Krieges und der überlegenen deutschen Waffentechnik auf die friedlichen Familien und erst durch das Eingreifen des bekannten Herero- Häuptlings Samuel Maharero, der sich bei dem deutschen Gouverneur Theodor Leutwein für den Missionar einsetzte, wurde er in die sichere Siedlung Okahandja geschickt.


Die evangelische Missionskirche in Windhuk, aus: Zigarettenalbum Deutsche Kolonien, Dresden 1936, Bild 135.


Gefecht zwischen Soldaten der deutschen Schutztruppe und Hereros. Am Waterberg wurden die Hereros geschlagen und anschließend in die wasserlose Wüste gejagt, wobei die meisten von ihnen den Tod fanden. Die Überlebenden wurden in Lagergesperrt. August Kuhlmann begleitete die Hereros und versuchte immer wieder, diesen zu helfen.

Aus: Bilder deutscher Geschichte, Zigarettenalbum, Hamburg 1936, Bild 197.

Dort wurde er immer wieder Kontrollen, Befragungen und Schikanen der deutschen Offiziere unterzogen, die seine Haltung zu den Hereros stark kritisierten und in ihm wohl einen Verräter sahen.

August Kuhlmann blieb bei seiner Haltung. Immer wieder zeigte er die Ursachen des Aufstandes auf und machte Vorschläge, wie der Friede wieder hergestellt werden könnte. Alle wurden von der deutschen Seite nicht gehört.

Marc Engelhardt schrieb dazu: „August Kuhlmann, der stets zwischen seiner herzlichen Bindung als Geistlicher zu den Herero und seiner staatsbürgerlichen Pflichten hin- und hergerissen war, blieb auch nach dem Ende des Herero-Aufstands Gewährsmann und Vertrauensperson der Herero und unterstützte den Wunsch des Gouverneurs Friedrich von Lindequist, die in der Omaheke und den östlichen Landesteilen untergetauchten Herero mögen friedlich zurückehren und sich ergeben. Zu diesem Zweck wurden von der Rheinischen Missionsgesellschaft beaufsichtigte Sammellager eingerichtet, die der Erfassung und der Erholung der Rückkehrer dienten.  August Kuhlmann leitete von 1905 bis 1907 das Sammellager bei Omburu nahe Omaruru.“

Immer wieder machte er dann durch kritische Beichte auf die furchtbare Lage der Hereros in diesen Lagern aufmerksam. Die erreichten Ergebnisse waren jedoch oft niederschmetternd. Die deutsche Kolonialverwaltung beging mit ihrem Vorgehen gegen die besiegten Hereros Völkermord, der bis heute nie richtig gesühnt wurde.

In einem längeren Heimataufenthalt 1910 schrieb August Kuhlmann eine zweibändige Abhandlung über seine Erlebnisse. Das Buch „Auf Adlers Flügeln“ wurde ein großer Erfolg und August Kuhlmann reiste damit sowie einer Serie von Fotoaufnahmen durch Deutschland und informierte alle, die es wissen wollten, über die tatsächlichen Ereignisse in Deutsch- Südwest.

Aus dieser Zeit existieren noch viele Fotos, die Barbara Kuhlmann sichten und sortieren möchte.

Über den Ausklang seines Lebens dann demnächst.

Rainer Lämmerhirt

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